Skizzenbücher und Zeichnungen, ca. 1910 – 1914.

Schon früh hatte Jeanne Mammen begonnen, Menschen und Szenen, die ihr Interesse – vor allem auf ihren Reisen – geweckt hatten, in kleine Skizzenbücher zu zeichnen. Nach Abschluss ihres Studiums entwickelte sie die erste ausgeprägte Phase ihres frühen Kunstschaffens. Anschauliche Impressionen in Bleistift, Aquarell und Mischtechnik stellen den Menschen in seiner Umgebung und seinem sozialen Umfeld dar oder betonen seine charakteristischen Züge und Gesten, wie in „Aphrodite“. Ihr zeichnerisches Können ist in den „Bildnis der Schwester Marie Louise“ und anderen Zeichnungen in Bleistift, Tinte oder Kohle deutlich zu erkennen.

Symbolistische Buchillustrationen, ca. 1913 – 1916.

Jeanne Mammen’s zweite Phase ihres Frühwerkes kann als ihre erste Stilperiode bezeichnet werden. Literarische Quellen wie die Poesie des „Fin de Siècle“, insbesondere Flauberts „Tentation de Saint Antoine“ [Die Versuchung des Heiligen Antonius], sowie E. T. A. Hoffmanns „Der Goldene Topf“ und „Die Elixiere des Teufels“ dienten als Inspiration für die visionären und dekorativen Elemente in ihren Bildern von Traumwelten, im Stil des französisch-belgischen Symbolismus, der im Wesentlichen von Morbidität und Dekadenz geprägt ist.

„Metropole Berlin“, Aquarelle, ca. 1924 – 1934.

Ab 1927 füllte Jeanne Mammens Werk die Titel- und Seitenseiten einer Vielzahl von Zeitschriften, Magazinen und satirischen Kritiken, wie „Jugend“, „Die Dame“, „Die Schöne Frau“, „Der Junggeselle“, „Simplicissimus“, „Uhu“ und „Ulk“. Sie entwickelte einen Ruf als hervorragende Illustratorin. Ihre einfühlsamen und eindringlichen Bildaussagen über das Leben in der Metropole Berlin wurden mit denen der zeitgenössischen männlichen Künstler George Grosz, Rudolf Schlichter, Rudolf Wilke oder Karl Arnold gleichgesetzt. Ihre Aquarelle und Zeichnungen aus den Jahren 1927 bis 1933 stellen einen ersten Höhepunkt in ihrem Schaffen dar (G. Reinhardt). Das zentrale Motiv dieser Zeit ist die Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen, wobei die Freizügigkeit des Weiblichen im Spannungsfeld der gesellschaftlichen Rollen im Mittelpunkt steht.

Realistische Malerei, vor 1929 bis ca. 1938.

Im Gegensatz zu den leuchtenden Aquarellen dominiert in den Bildern der 1920er und 1930er Jahre ein melancholischer Charakter, der sich in der Zeit nach 1933, als das Dritte Reich an der Macht war und Jeanne Mammen auch in ihren Bildern ihren inneren Widerstand und ihre Sozialkritik zum Ausdruck brachte, noch stärker ausprägte. Repräsentativ für diese Stilepoche, die auch als „Black-Eye-Periode“ bezeichnet wird, sind die Darstellungen von jungen Menschen, die mit leeren Augen ins Leere starren und einen leeren Ausdruck in ihren schwarzen Augen haben.

Kubistisch-expressionistische Periode, ca. 1938 – 1945.

Jeanne Mammen gab ihren realistischen Malstil auch aus Protest gegen den vom Nazi-Regime aufgezwungenen Kunstbegriff und dessen politischen Einfluss auf das kulturelle Umfeld auf. Stattdessen begann sie in einem kubistisch-expressionistischen, stark von Picasso beeinflussten Stil zu malen. Dies erlaubte ihr, Gesellschaftskritik auf eine progressivere Art und Weise auszudrücken. „Der Würgeengel“ und „Kind im Luftschutzkeller“ sind repräsentativ für ihre Malerei während des Widerstands.

Bildhauerische Periode, ca. 1945 – 1948.

Während und nach den letzten Kriegsjahren hatte Jeanne Mammen, auch wegen des Mangels an Malmaterial, begonnen, Skulpturen in Gips und Ton zu modellieren. Dies ermöglichte ihr auch die Fortsetzung ihrer künstlerischen Arbeit bei Kerzenlicht, nicht aus einer romantischen Vorstellung heraus, sondern wegen der häufigen Unterbrechungen der Stromversorgung in den Ruinen des Nachkriegs-Berlins, die das Malen zu dieser Zeit fast unmöglich machten. In der Folge zeigen die Gemälde dieser Zeit deutliche Spuren der Arbeit mit diesem Medium, und es lassen sich erste Anzeichen von Abstraktion erkennen.

Grafische Periode, ca. 1949 – 1954.

Diese lange Periode ist geprägt von der fortschreitenden Abstraktion. Auf Formaten von 100 x 70 cm suggerieren Lineamente und vage grafische Elemente lediglich Figuren. Jeanne Mammen malte sie zunächst auf monochromem, später auf farbigem Hintergrund, teilweise in einem fast pointillistischen Stil.Lyrisch-abstrakte Periode, ca. 1950 – 1960.
Nach ausgiebigen Experimenten mit Kontrast und Farbintensität zeichnen sich die Bilder nun durch die Kolorierung aus, die eine gewisse Autonomie entwickelt hat, bis schließlich die Farben allein die Struktur des Bildes bestimmen und gezeichnete Elemente selten zu erkennen sind.

Absurd-abstrakte Periode, ca. 1960 – 1965.
Nach ihrem 70. Geburtstag schien die Künstlerin in die Rolle eines amüsierten, aber kontemplativen Betrachters geschlüpft zu sein, der die Torheiten des Lebens beobachtet. Nun bevölkern gespenstische Figuren die Leinwand und feiern groteske Toben durch den nicht enden wollenden Karneval, der für Jeanne Mammen inzwischen zum Leben geworden zu sein schien.

Farbige Papiercollagen mit Alufolie, „Numinöse“ Malerei, ca. 1960 – 1975.
Durch die Verwendung von Schokoladen- und Bonbonpapier und anderen.

Die Kunstwerke können Sie unter folgendem Link bestaunen:

https://www.advocate.com/arts-entertainment/artist-spotlight/2012/07/19/artist-spotlight-jeanne-mammen#media-gallery-media-2